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Geruchsprobleme im Sommer?  Adaptive Dosierstrategie für extreme Belastungsspitzen im Abwasser

Saisonale Belastungsspitzen stellen viele Betreiber von Abwassernetzen vor große Herausforderungen – insbesondere dann, wenn hohe organische Frachten, steigende Temperaturen und lange Druckrohrleitungen zusammenkommen. Genau mit einem solchen Fall beschäftigen wir uns aktuell in einem Projekt zur Geruchsbekämpfung in einer kommunalen Druckrohrleitung.

Für unseren Kunden entwickeln wir derzeit ein intelligentes Dosierkonzept zur sicheren Beherrschung von Geruchsproblemen und Sulfidbildung in einer rund 10 Kilometer langen Druckrohrleitung DN 400. Die Besonderheit: Im Regelbetrieb arbeitet das System bereits mit einer Nitratdosierung und zeigt grundsätzlich stabile Betriebsbedingungen. Doch während der Weinernte verändert sich die Situation schlagartig.

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Saisonale Spitzenbelastung durch Weinbau

Mit Beginn der Weinlese steigt die organische Belastung des Abwassers massiv an. Die gemessenen CSB-Werte erreichen in dieser Phase Konzentrationen von bis zu 2.000 mg/l. Gleichzeitig sorgen sommerlich hohe Temperaturen für ideale Bedingungen zur Sulfidbildung im Kanalnetz.

 Die Folge: Trotz bestehender Nitratdosierung treten im nachgeschalteten Kanal erhebliche Geruchsprobleme durch Schwefelwasserstoff (H₂S) auf.

 Zusätzlich erschwert der anspruchsvolle Höhenverlauf der Druckrohrleitung die Situation. Besonders in den steilen Gefälleabschnitten entstehen erhöhte Emissionen und starke Schwankungen der biologischen Prozesse innerhalb der Leitung. Dadurch wird die exakte Berechnung der erforderlichen Dosiermengen deutlich komplexer als bei klassischen Anwendungen.

 Intelligente Kombination aus Nitrat- und Eisendosierung

 Um die Geruchsbildung dauerhaft und wirtschaftlich zu kontrollieren, entwickeln wir eine adaptive Dosierstrategie mit zwei gezielten Eingriffspunkten: 

  • Nitratdosierung am Beginn der Druckrohrleitung
  • Eisendosierung am Ende der Leitung

 Ziel ist eine optimale Kombination beider Verfahren, um sowohl die biologische Sulfidbildung zu minimieren als auch verbleibende Schwefelverbindungen sicher zu binden.

 Dabei stehen zentrale Fragestellungen im Fokus: 

  • Wie hoch muss die Nitratdosierung während extremer Belastungsspitzen sein?
  • Welche Eisenmenge ist erforderlich, um verbleibende Geruchsstoffe zuverlässig zu fällen?
  • Wie können beide Dosiermittel wirtschaftlich und energieeffizient kombiniert werden?
  • Wie reagiert das System auf stark schwankende Abwasserzusammensetzungen?

SULFIDBILANZ als Grundlage für die Dosierung 4.0

Die Basis unseres Konzepts bildet unsere entwickelte SULFIDBILANZ. Sie ermöglicht eine bedarfsgerechte und dynamische Dosierung auf Grundlage realer Prozessdaten.

Hierfür werden künftig verschiedene Abwasserparameter permanent online überwacht, unter anderem: 

  • CSB
  • Sulfid
  • pH-Wert
  • Temperatur
  • Durchflussmengen
  • Redoxpotenzial

Aus diesen Daten berechnet das System kontinuierlich die theoretische Sulfidbildung in Abhängigkeit der aktuellen Nitratdosierung. Anschließend wird automatisch die erforderliche Eisenmenge zur gezielten Sulfidfällung bestimmt.

Für dieses Projekt wurden insgesamt 2.376 verschiedene Lastfälle simuliert und berechnet, um eine umfangreiche Dosiermatrix für unterschiedlichste Betriebszustände zu erstellen.

 Echtzeitüberwachung durch Online-HS-Messung

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist die kontinuierliche Erfolgskontrolle der Dosierung.

Direkt hinter dem Druckübergabeschacht misst eine Online-H₂S-Überwachung permanent die tatsächliche Schwefelwasserstoffkonzentration. Die Messwerte werden in Echtzeit an die Steuerung übertragen und fließen unmittelbar in die Anpassung der Dosierstrategie ein.

 Dadurch entsteht ein intelligentes, lernfähiges System, das: 

  • auf Belastungsschwankungen automatisch reagiert,
  • Dosiermengen dynamisch anpasst,
  • Chemikalien effizient einsetzt,
  • Betriebskosten reduziert
  • und Geruchsprobleme dauerhaft minimiert.

 

Kurz gesagt: eine moderne Dosierung 4.0 für kommunale und industrielle Abwassernetze.

Nachhaltige Geruchskontrolle für Druckrohrleitungen und Kanalnetze

Geruchsprobleme, Sulfidbildung und Korrosion gehören zu den häufigsten Herausforderungen in langen Druckrohrleitungen – insbesondere bei saisonalen Lastspitzen oder stark schwankenden Abwasserzusammensetzungen.

Mit datenbasierten Dosierstrategien, Online-Messtechnik und intelligenter Prozessregelung schaffen wir Lösungen, die nicht nur kurzfristig wirken, sondern dauerhaft stabile Betriebsbedingungen ermöglichen.

Haben Sie saisonale Belastungsspitzen oder Geruchsprobleme in Ihrem Kanalnetz? 

Wir analysieren Ihr Abwassersystem, simulieren verschiedene Lastfälle und entwickeln ein individuell abgestimmtes Dosierkonzept für Ihre Druckrohrleitung oder Kanalanlage.

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Laura Flache, M. Sc.

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