H₂S-Minderung durch Dosierung in Druckleitungen
Sulfidbilanz – Praxistest– Umsetzung
In einem Entwässerungsnetz kam es wiederholt zu starken Geruchsbelastungen und erheblichen H₂S-Emissionen an mehreren Druckübergabeschächten. Teilweise wurden gesundheitsgefährdende Konzentrationen > 470 ppm gemessen. Neben der Beeinträchtigung der Umgebung bestand akute Gefahr für Betonbauteile durch biogene Schwefelsäurekorrosion. Die Ursachen lagen in langen Fließzeiten, anaeroben Milieubedingungen und hoher organischer Belastung.


Sulfidbilanzierung und Maßnahmenkonzept
Wir wurden beauftragt, eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten. Dazu wurde eine standortbezogene Sulfidbilanz auf Basis hydraulischer und chemischer Abwasserdaten erstellt sowie zur Modellkalibrierung H₂S-Messungen durchgeführt. Die Simulationen zeigten, dass über 70 % der Sulfidfracht aus einem spezifischen Druckleitungsstrang stammten. Auf Basis der Bilanz wurden verschiedene Maßnahmen technisch und wirtschaftlich verglichen – darunter chemische Fällmitteldosierung, Abluftbehandlung und Geruchsdämpfung. Ergebnis: Empfehlung zur chemischen Dosierung an zwei kritischen Pumpwerksstandorten.

Dosiertests an zwei Standorten unter Praxisbedingungen
Um die Wirksamkeit und Dimensionierung zu verifizieren, wurden an beiden empfohlenen Standorten mobile Dosierstationen installiert und verschiedene Dosierstrategien erprobt – darunter kontinuierliche, dynamische und einseitige Dosierung. Parallel erfolgten H₂S-Online-Messungen an mehreren Punkten im Netz. Die dynamische Dosierung an nur einem Standort führte bereits zu einer signifikanten Reduktion der Emissionen (> 95 %). Die zweite Dosierlinie erwies sich im weiteren Verlauf als verzichtbar. Die Testdaten lieferten zudem belastbare Grundlagen für Dosiermengen, Regelstrategie und Auslegung der späteren Anlage.

Abbildung 4 & 5: Aufstellung der Testdosieranlagen


Abbildung 6: Ergebnisse des Dosiertests
Umsetzung und Einfahrbetrieb der stationären Dosieranlage
Auf Basis der Testergebnisse wurde eine stationäre Fällmitteldosieranlage an einem Standort realisiert. Wir erstellten das technische Lastenheft, unterstützte bei der Umsetzung und koordinierte die Einfahrphase. Im Betrieb wurden mehrere Szenarien getestet und die Dosierkurven stufenweise optimiert. Die mittleren H₂S-Werte konnten dauerhaft unter 1 ppm gehalten werden. Die Anlage läuft seither im Regelbetrieb. Empfehlungen zur weiteren Optimierung (z. B. Regen-/Pumpzyklus-Erkennung zur bedarfsgerechten Dosierung) wurden im Rahmen der Auswertung übergeben.

Abbildung 7: Fertigstellung der stationären Dosieranlage
Gerne analysieren wir Ihre Situation im Rahmen eines kostenfreien digitalen Beratungstermins. Vereinbaren Sie unkompliziert einen Termin mit unseren Expert:innen und erhalten Sie erste Einschätzungen zu möglichen Maßnahmen zur H₂S-Minderung in Ihrem System.
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